Politisches

Gedanken zur Organisation von Staat, Wirtschaft und Geldsystem

Die Grünen haben in Deutschland die Möglichkeit aufgezeigt eine erst verlachte Idee vom Rande der Gesellschaft in deren Mitte zu bringen. (Atomausstieg nun von CDU beschlossen) Wenn die Piraten nun in gewisser Weise ein Update sind, dann haben sie, denke ich, die Möglichkeit dies noch ein wenig radikaler zu gestalten.

Huch, radikal? An alle die gerade stutzen, und denken: „Huch, oh oh, Tendenzen zum Extremismus!“ : NE GAR NICHT! Ich meine hier radikal im Sinne von das Problem an der Wurzel fassen (lat. radix = Wurzel).

Hier also meine Gedanken, von denen ich hoffe, dass es so die Piraten machen, und die vermutlich radikaler sind als die Alternativlosigkeit von Frau Merkel.

Prinzipiell hat die Idee des Kapitalismus, den Egoismus den Menschen in Allgemeinwohl umzumünzen, schon etwas Geniales. Doch was passiert, wenn dieses System keine Regeln hat?
Bei diesem Wettkampf, der immer stattfindet, entstehen Gewinner und Verlierer. Einmal gewonnen, gewinnt es sich ein zweites mal leichter und einmal verloren ist es schwer von der Verliererbahn wegzukommen. Es teilt sich also die Gesellschaft langsam in Gewinner und Verlierer. Noch dazu werden hohe Ämter auch nur von „Gewinnern“ begleitet, mag es an dem gewonnenen Selbstbewusstsein oder der größeren Finanzkraft liegen. Noch dazu kommt, dass man aus einer schlechten Lage immer Kritik üben kann, aber das Kontraargument: „Selber schuld!“ nie los wird.
Freie, ungezügelte Marktwirtschaft führt erstmal nur zu einem Gedanken: „Wie kann ich am schnellsten Geld machen, um anderen überlegen zu sein!“. Sachen wie Nachhaltigkeit, die auf lange Sicht wirken, geraten ins Hintertreffen, man muss ja konkurrenzfähig bleiben. Der Kapitalismus hat also Grenzen, wie man hier auch sehen kann. Kombiniert man das ganze noch mit einem verzinsten Geldsystem, so entsteht eine Gesellschaft, die sich exponential auseinander entwickelt. Und da von Geld und sozialer Stellung leider sehr viele Dinge abhängen, wie Bildung, Selbstbewusstsein und gesellschaftliche Teilhabe, verfestigen sich auch diese Grenzen.

Da es nun aber bekanntlich kein unendliches Exponentialwachstum geben kann, treten automatisch Regulierungsmechanismen auf. Ganz ohne vorherige Bremse muss dann aber ein Krieg oder eine Revolution her.

Heutzutage in einer „sozialen“ Marktwirtschaft probiert man diese Entwicklung hin zu einer Krise aber schon vorher abzufangen. Das geschieht zum Beispiel durch Sozialleistungen, Kartellämter oder unterschiedliche Steuersätze. Für mich greift das allerdings eher zu kurz, denn die Arm-Reich-Schere geht auch bei uns weiter auseinander und immer weniger Menschen besitzen immer mehr Geld. Auch hat HartzIV den Namen Sozialleistung unter diesen Bedingungen nicht wirklich verdient.

Perfekt wäre, meiner Meinung nach, ein Regelsystem was nahezu sofort greift, einem „Verlierer“ wieder Mut macht und einem „Gewinner“ daran hindert seine Glückssträhne zu vererben. Dazu gibt es verschiedene Ideen, die größtenteils wahrscheinlich nur im Komplettpaket wirken.

1. bedingungsloses Grundeinkommen

Für das bedingungslose Grundeinkommen sprechen eine Vielzahl an Argumenten. Alle kann ich jetzt gar nicht anreisen. Fakt ist: die Sicherheit, die für jeden dadurch entsteht bringt den Arbeitnehmer in eine höhere Verhandlungsposition. Er kann nicht durch Existenzangst zu einem unwürdigen Arbeitsplatz gezwungen werden und hat die Zeit den für ihn am besten passenden Arbeitsplatz zu suchen.

Wer jetzt sagt, dass dann doch niemand mehr arbeiten geht, der hat, denke ich, die Realität falsch eingeschätzt. Deutschland ist das Land mit vielleicht der höchsten Arbeitsmoral. Fast jeder definiert sich über seine Arbeit. Nirgendwo anders werden Arbeitslose so abfällig betrachte, wie hier. Dieses Bild des „Sozialschmarotzers“ konnte bestimmt erst durch dieses Gewinner-Verlierer-Prinzip entstehen.

Auch denke ich, dass ganz viel Langzeitarbeitslosigkeit erst durch Demütigungen, wie Hartz IV entstanden ist. Die Leute sind daran kaputt gegangen.

Alle Politiker die die Vollbeschäftigung propagandieren, halte ich für völlig an der Realität vorbei. Die Wirtschaft setzt immer mehr auf Automatisierung und Rationalisierung, wo sollen den da die ganzen geschöpften Werte hin, wenn immer noch alle arbeiten? Eine Weile konnte das Wachstum des Lebensstandards mithalten, aber mitlerweile kommt man an Punkte wo Mutter Erde nicht mehr her gibt und Produktionssteigerung echt schädlich wird. Also ist es eher gut, wenn nicht mehr alle arbeiten.
Linktip: Interview mit Götz Werner.

2. neutrales Geld

Mal ehrlich: Wer träumt nicht davon, so viel Geld auf dem Konto zu haben, dass man von den Zinsen leben kann? Es klingt schon verlockend! Aber wäre das nicht Schmarotzen? Irgendwo her muss ja dieser Wert, von dem man dann lebt, kommen. Und da Geld nicht arbeiten kann, muss es von einem anderen Arbeiter kommen. Das Zinssystem, wie wir es jetzt haben und nicht anders kennen, hat Fehler. So ist es falsch, dass zu viel Geld noch mehr hinfließt. Dies führt wieder zu Exponentialwachstum, welches soziale Ungerechtigkeiten nach sich zieht.
Auch verursacht es in der Wirtschaft einen Wachstumszwang, welcher auf Dauer nur durch Ausbeutung beizukommen ist.
Kurzes Beispiel: Du bist Dachdecker und möchtest dich eigenständig machen. Dafür brauchst du ein Auto und ein Gerüst. Um dieses zu kaufen nimmst du einen Kredit auf. Nach 5 Jahren möchtest du ihn abgezahlt haben. Was musst du in diesen 5 Jahren alles erwirtschaften? Na auf jeden Fall das Geld für das Gerüst und das Auto, aber auch deine Lebenserhaltungskosten. Jetzt kommen aber noch die Zinsen hinzu. Die musst du auch noch erwirtschaften. Aber ist das nicht zu viel? Würde es nicht eigentlich reichen, wenn du dein Startkapital zurückzahlen kannst und weiterhin noch für dich selber sorgen konntest?
Linktip: Rede von Andreas Popp.

Außerdem war Geld als Tauschmittel gedacht und nicht als Lagermittel. Als Tauschmittel für Waren muss es sich aber auch so verhalten. Waren verlieren an Wert, wenn man sie lange lagert, also muss Geld auch langsam weniger werden, wenn man es nur auf der Bank liegen hat. Der derzeitige Zins verursacht das Gegenteil. Damit neutrales Geld nicht weniger wird, muss man es zirkulieren lassen. Denn nur Geld in Aktion erfüllt seinen Sinn.
Vermutlich kommt das allgemeine Gefühl der Geldknappheit daher, dass zur Zeit immer mehr Geld in riesigem Privatbesitz schlummert, da die Besitzer gar nicht mehr wissen, wie sie es ausgeben sollen.

Zum Geld ohne Zinsen gehört noch eine Bodenrechtsreform. Angenommen der Zins würde tatsächlich abgeschafft, na gut, dann kauf ich mir von meinen ganzen Millionen eben ganz viel Land und lebe von der Verpachtung. Auch hier muss dann der Pächter für mich mit arbeiten.
Eine mögliche Änderung wäre, dass alles Land dem Staat gehört und man es von diesem pachten muss. Pachtverträge dürften aber vererbt werden.

3. Noch mehr Gewaltenteilung

Hier nehme ich eine Idee von Andreas Popp und der Wissensmanufaktur auf, die mehr sehr gefallen hat. Zusätzlich zu Executive, Judikative und Legislative könnte man noch die Macht der Geldschöpfung und die Macht der Medien hinzufügen. Die Medien wären noch ein zweites Kontrollorgan, aber sie können ja auch die öffentliche Meinung steuern. So halte ich es für wichtig, dass die Idee des öffentlich rechtlichen Rundfunks noch weiter betrieben wird und die Bürger die Wahl haben, von wem sie informiert werden wollen.
Zur Macht der Geldschöpfung:

GIB MIR DIE KONTROLLE ÜBER DAS GELD EINER NATION UND ES INTERESSIERT MICH NICHT, WER DESSEN GESETZE MACHT.
MAYER AMSCHEL ROTHSCHILD

Auch ist ein Finanzsystem, das niemand mehr versteht, inkompatibel zu Demokratie.

So hab ich auch mal meinen Senf dazu gegeben: ein loser Haufen unbegründeter Thesen, aber ein bisschen was ist schon dran (hoffe ich mal). Was sagst du dazu?

entstanden im Gespräch mit meinem Papa

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.